So könnte man das letzte Wochenende im Januar 2002 bezeichnen!

Vom 25.-27. Januar stand unsere Kirche unter dem Motto „Nikolaus Groß – das Musical“. Groß-artig war einfach alles, die beiden Aufführungen des Musicals am Freitag und am Samstag, so wie auch das Hochamt zu Ehren von Nikolaus Groß am Sonntag. Nikolaus Groß, geboren am 30. September 1898 in Niederwenigern, war verheiratet und Vater von sieben Kindern. Er arbeitete in einem Blechwalzwerk und dann als Bergmann unter Tage. Seit 1920 betätigte er sich im Gewerkverein christlicher Bergarbeiter und übernahm 1927 die Schriftleitung der Westdeutschen Arbeiter-Zeitung (später "Ketteler-Wacht"), des Verbandsorgans der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Sein vorbehaltloses soziales Engagement und seine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus waren getragen von einem tiefen Glauben und einem unerschütterlichen Gottvertrauen. Im Gebet fand er die Kraft für seine Tätigkeit und für die unermüdliche Sorge um seine Familie in schwerer Zeit. Wegen seiner Kontakte zu Widerstandskreisen wurde er am 12. August 1944 ins Konzentrationslager Ravensbrück, später in die Strafanstalt Berlin-Tegel eingeliefert und nach einem Prozess vor dein Volksgerichtshof am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Das Musical wurde 1997 von einer Firmgruppe entwickelt und von einer Laienschauspielgruppe in vielen Städten aufgeführt. Die Aufführung in unserer Gemeinde wurde von ihnen selbst als Höhepunkt anerkannt, da Nikolaus Groß in der Nähe unserer Kirche in der Gedenkstätte Plötzensee von Nationalsozialisten hingerichtet worden ist und das Stück aus diesem Grund speziell auf die Aufführung in unserer Kirche zugeschnitten wurde. Altarbild und Marienstatue wurden effektvoll in die Inszenierung integriert. Wir, einige Ministranten und Firmanden, sowie unsere Firmleiter Stefan und Martin waren auch mit dabei und waren begeistert von der Laienaufführung, die laut Stefan „voll professionell“ war. Unser Herr Kardinal Sterzinsky höchstpersönlich war dermaßen angetan von dem Musical, dass er die Darsteller für eine weitere Vorstellung zum Berliner Kirchentag 2003 eingeladen hat. Interessant war die Darstellung des Nationalsozialismus als Skelette, die sich in ritualartigen Tänzen an entscheidenden Stellen über die Bühne bewegten. Besonders unterhaltsam war das Lied „7 unter einem Tisch“ bei dem sich das jüngste Kind ganz frech unter dem Mittagstisch versteckte und noch frecher die Tischdecke mitsamt dem Geschirr ruckartig wegzog und danach rief: „Und das liebste Kind bin ich“. Ebenso interessant und gar nicht ätzend war das Lied „Das find ich ätzend“ (in Anlehnung an ein beliebtes Teenie-Lied einer Popgruppe), bei dem sich die antinationalsozialistisch eingestellten Kinder von Nikolaus Groß und Jugendliche aus der HJ ein freches Wortgefecht liefern, das danach mit Szenenapplaus belohnt wurde. Beeindruckt waren wir, dass die Schauspieler keine Scheu zeigten, Nationalsozialisten überzeugend nachzuahmen oder sogar, was in der Atmosphäre unserer Kirche besonders schockierend und eindrucksvoll wirkte, riesige Banner mit Hakenkreuzen an der Kirchenwand aufzuhängen. Ähnlich wirkten auch die authentischen Aufnahmen von Reden Hitlers, die in das Stück eingebracht wurden. An einer Stelle wurde seine Ansprache von gläubigen Christen, die alle das "Gegrüßet seist du Maria" beteten, vollkommen übertönt. Insgesamt können wir allen, die das Stück noch nicht gesehen haben, nur empfehlen, dieses am Berliner Kirchentag 2003 nachzuholen oder sich die Videokassette im Klosterladen zu kaufen. Wir jedenfalls sind glücklich, dass wir dieses tolle Ereignis nicht verpasst haben. Groß-artig ging’s weiter.....am Sonntag beim Pontifikalamt zu Ehren von Nikolaus Groß. Auch diese Szenerie war beeindruckend: 11 Geistliche, 17 Ministranten (davon zwei aus der Schauspielgruppe, sowie ein ehemaliger Ministrant und eine zukünftige Ministrantin) und ca. 16 Fahnenträger. Aber die Kirche war auch so brechend voll. Die Messe wurde musikalisch von unseren Gästen gestaltet und stellte ein passendes Ende für dieses Groß-artige Wochenende dar. Unser Dank geht auch an diejenigen Gemeindemitglieder, die für die Verpflegung der 250 Gäste an den drei Tagen sowie die Organisation des Aufenthalts gesorgt haben. Ohne sie wäre Vieles nicht möglich gewesen.

Julia Stefanski, Sabine Fiech, Weronika Dziwis und Martin Schweda