Musical über Nikolaus Groß aus Anlaß des 100. Geburtstages (aus Kirche+Leben vom 27. September 1998)

ERDRÜCKEND realistisch wirkte die Szene auf der Bühne: Drei in schwarz gehüllte Todesengel tanzen in abgehackten Bewegungen auf den Rhythmus der Gewehrsalven, die aus Lautsprechern ertönen. Hautnah wirken die Szenen in den Schützengräben. Während im Vordergrund die Engel den Todesreigen tanzen, läuft über eine große Leinwand im Hintergrund das Kriegsgeschehen ab. Der erste Weltkrieg und die darauf folgende Weimarer Republik sind die einleitenden Szenen im Musical über Nikolaus Groß, das aus Anlaß seines 100. Geburtstages am 30. September um 19 Uhr im Pfarrsaal, Schildberg 93, Mülheim-Dümpten, uraufgeführt wird. Doch die Zeitgeschichte ist immer nur erläuternder Rahmen. Im Mittelpunkt stehen das Leben und Sterben des KAB'lers. Die harte Arbeit unter Tage, seine Freundschaft mit Bernhard Letterhaus, seine Ehe mit Elisabeth Koch, seine Kinder, sein Kampf gegen die Nationalsozialisten und am Ende seine Hinrichtung - das sind die Stationen im Leben von Groß, die im Musical in fünf Abschnitten verarbeitet werden. Bis zu 200 Frauen und Männer auf und hinter der Bühnewirken an der Aufführung mit, sei es als Sängerinnen und Sänger, als Beleuchter oder Musiker. Alle engagieren sich ehrenamtlich, um dieses Musical zu Ehren von Groß aufführen zu können. Angeregt hat dieses Musikstück der Pfarrer von St. Barbara, Stadtdechant Manfred von Schwartzenberg, der auch Regie führt. Als er vor sechs Jahren in die Gemeinde kam, lernte er Prälat Kaußen kennen, der auch die Seligsprechung von Groß begleitet. Kaußen erzählte über Groß, und sofort war der Stadtdechant Feuer und Flamme. Auf der Suche, wie man den Glaubenszeugen Groß seiner gemeinde näherbringen und gleichzeitig möglichst viele Kräfte einbinden kann, wurde die Idee eines Musicals geboren. Die Texte schrieb der Rührige Pfarrer selbst, die Musik stammt vom Organisten und Chorleiter Burkard Kölsch. Inspiriert durch andere Musicals hat er jedem Thema (Liebe, Hoffnung, Tod) und jeder Person ein charakteristisches Motiv zugeordnet. Manchmal hat er bekannte Kirchenlieder oder andere Motive wie die »Internationale« verarbeitet. Die meisten Themen sind jedoch von ihm selbst komponiert. Auch die Familie Groß wurde in die Planungen einbezogen. Bernhard Groß ist von den Aktivitäten sehr beeindruckt. »Dass eine Pfarrgemeinde sich über ein Jahr so intensiv mit dem Thema befaßt, ist schon bewundernswert«.
J. K.