
Der Nebel verzieht sich, auf der Rückwand ein Stollen. Im Schacht unter Tage sitzt Nikolaus Groß als jugendlicher Schlepper ermüdet auf dem Boden. Er hält ein Stück Kohle in der Hand und singt:
Foto: Martin Engelbrecht, Bistum Essen
tief in der Erde
schwarz das Gesicht
Schweiß am Körper
dunkel das Licht
am Ende des Strebes
steinerne Pracht
glänzende Kohle
die Schätze der Nacht
hart ist die Arbeit
was meine Hand schafft
gibt anderen Menschen
Wärme und Kraft
weit der Stollen
endlos der Schacht
am Ende der Kräfte
die Schätze der Nacht
jahrmillionen
unendliche Zeit
ein stummer Gruß
aus der Ewigkeit
dein ist die Erde
du hast sie gemacht
das Licht des Tages
die Schätze der Nacht
hier bin ich sicher
auf den Feldern ist Krieg
die Schlacht ist verloren
du bist mein Sieg
dein Engel ist hier
hält über mich Wacht
unter Tage vor Ort
bei den Schätzen der Nacht
Es erscheint ihm im Traum die Hl. Barbara (Patronin der Bergleute sowie unserer Gemeinde) und singt:
Foto: Marion Kretz-Mangold, WDR
ich war noch jung
vor vielen hundert Jahren
so jung wie du
in diesen finstern Tagen
mein Vater ging oft fort von mir
ganz weit
und sperrte mich in seinen Turm
heidnischer Eitelkeit
ich riß mich los
und suchte meine Freiheit
lief in die Stadt
und sah die Armen
aß ihr Brot
und hörte Gottes Wort
von Liebe und Erbarmen
ich trank den Kelch
den unser Herr getrunken
in seine Liebe
ganz versunken
Mein Vater kam zurück und hörte, ich sei Christ
verletzt in seinem Stolz er sich und mich vergißt
er schlägt mich wund
und schleppt mich vor den Richter
gefesselt im Turm
fühl ich im Schmerz
seinen Haß, seine Ohnmacht, sein Schwert
durchdringen mein Herz
du bist noch jung
in diesen finstern Tagen
so jung wie ich
vor vielen hundert Jahren
sei klug und nutze deine Zeit
bilde dich fort
sieh die Arbeit, sieh die Menschen
mach dein Wort
Glück auf, geh los
und stell dich deinem Leben
lauf in die Stadt
und sieh die Armen
iß ihr Brot, verkünde Gottes Wort
von Liebe und Erbarmen
du wirst den Kelch
des Herren trinken
in seine Liebe
ganz versinken
in menschenverachtender, gottloser Zeit
hab Mut
das Reich des Satans kommt und geht
alles wird gut
man schlägt dich wund
und schleppt dich vor den Richter
Ohnmacht und Haß
bringen dich um
sei stark, mein und dein Blut
bleiben nicht stumm.
Text: Manfred von Schwartzenberg